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BORGO DEL TIGLIO – Der berühmte Lindenweiler im Friaul

Borgo del Tiglio steht für sehr individuelle Weine, die laut vieler Journalisten zu den besten Italiens gehören. Aber Vorsicht, es sind keine Mainstream-Weine für Jedermann und Jedentag. Es hat ein paar Jahre gedauert bis die Weine in Deutschland einen ähnlichen Ruf und eine vergleichbare Anhängerschaft gefunden hatten wie in Italien, USA, Skandinavien oder anderen Ländern.

Bei der Weinerzeugung wird hier nichts dem Zufall überlassen und jeder einzelne Schritt beruht nicht nur auf mehr als 35 Jahren Erfahrung, sondern einer skrupulösen Experimentiererei, die jedem Naturwissenschaftler zur Ehre gereichen würde. Veröffentlicht wurden keine wissenschaftlichen Texte, Auszeichnungen und Errungenschaften sondern Publikationen in Flaschenform. Diese Ergebnisse sind sehr beeindruckend und die meisten Weine bis zum 1982er zurück noch in bester Verfassung. Das ist nicht unbedingt typisch für italienische Weißweine; Nicola Manferrari ist aber auch kein typischer Winzer…

Nicola Manferrari aus Brazzano bei Cormons im Collio ist immer schon seinen eigenen Weg gegangen. Statt die Apotheke der Mutter weiter zu führen, machte er aus den Familieneigenen Weingärten einen Friulano, wie es ihn so vorher noch nicht gab. Er reiste nach Mailand, um seinen Wein dort anzubieten. Erst erntete er Kopfschütteln, da der Tocai (so hieß der Friulano damals) nicht zu den ernsthaften Weißweinen zählte, sondern vorwiegend regional getrunken wurde. Doch der schiere Ehrgeiz, einen Wein von Weltformat zu produzieren, zeigte bald erste Erfolge und seine Weine kamen auf die ersten Karten berühmter Restaurants und etablierter Händler. Sein Ronco della Chiesa (ein Einzellagen-Friulano aus der Lage, wo alles begann) sowie der Studio di Bianco erlangten inzwischen einen internationalen Kultstatus und er erweiterte sein Weingut aus dem Lindenweiler (it.: Borgo del Tiglio) um einige französische Sorten (Chardonnay, Sauvignon Blanc und Merlot).

Borgo del Tiglio

Im Fasskeller von Borgo del Tiglio reifen die höchsten Qualitäten heran

Ähnlich einem Kellermeister in der Champagne experimentierte Nicola Manferrari mit allen möglichen Cuvées aus unterschiedlichen Lagen und Trauben. Am Ende stand eine Weltneuheit auf dem Ladentisch: Sein Collio Bianco wird aus Riesling, Sauvignon Blanc und Friulano bereitet. Wer denkt, dass Riesling und Sauvignon Blanc in einer Cuvée nicht kompatibel sind, mag viel über die Aromatik dieser Trauben wissen. Das Geheimnis ist hier der Friulano, der beide Traubensorten mit einander vermählt. Er federt die Säure des Riesling und die Kargheit der friulanischen Sauvignon Blanc ab und gibt dem Wein die goldene Mitte.

Der Friulano ist so etwas wie der Signature-Wein der Manferraris. Das Geheimnis besteht hier im sanften Pressen perfekt reif gelesener Trauben: erntet man den Friulano zu früh, wird er grün und besitzt keine Alterungsfähigkeit, erntet man hingegen zu spät, so fehlt die Säure. Damit auch zum richtigen Zeitpunkt ein balancierter, großer Wein erzeugt werden kann, verwendet Nicola Manferrari eine sehr aufwändige Presse und teilt den gepressten Saft ähnlich wie bei der Chromatographie in verschiedene Chargen auf, von denen er dann nur die besten verwendet. Trinkt man diesen Wein zu San Daniele-Schinken (Nicola bevorzugt Pata Negra…), Carpaccio, Austern, salzig-gebratenem Fisch oder öligen Antipasti, dann offenbart sich das Geheimnis im Glas.

Der Sauvignon Blanc kommt wie flüssiger Stein daher. Er hat nichts von der oft etwas lauten Art – ich bin geneigt, „banalen“ zu schreiben – seiner Artgenossen aus Übersee daher. Das ist eher der kompromisslose Stil eines Dagueneau oder Cotat und so heute leider nur mehr selten zu finden. Kein Partykracher, sondern ein Wein zum Studieren und Zuhören. Bretonische/r Seezunge und Steinbutt jubilieren!

Beim Chardonnay war Nicola lange Zeit nicht zufrieden, ohne zu wissen, was seinen Weinen fehlte. Er experimentierte dann mit den verschiedenen Böden und fand heraus, welcher Boden der richtige für seine Chardonnay-Reben war. Seitdem hat der Chardonnay eine Tiefe, wie ich sie im Friaul sonst nicht kenne. Period. Der 2014er ist sozusagen ein late release und würde erst nach hinreichender Flaschenreifung im Keller herausgegeben. Durch die Kühle des Jahrgangs ist das eher ein sehr feiner cool climate-Vertreter seines Fachs und Geheimtip für offene Weinfreunde ohne Jahrgangsfetisch; für letztere habe ich dann aber auch etwas volleren 2017er im Angebot 😉

Die Selezione-Versionen beider Sorten bieten genau das, was man von Ihnen erwartet: von allem noch einen Tick mehr, geschaffen für die, die das Beste im Wein suchen. Für mich die zwei besten Weißweine Italiens sind dann der Einzellagen-Friulano Ronco della Chiesa, sowie die besten Traubenpartien des Jahrgangs mit viel Fingerspitzengefühl als Studio di Bianco assembliert. Wem diese Pretiosen zum Reinprobieren zu teuer sind, kann es mit dem etwas angereiften Studio in Sol Minore probieren. Dieser von vielen Wolken gezeichnete Jahrgang kommt leise daher und besticht durch seine Eleganz. Dank der zusätzlichen Reife ist er ein herrlicher Vorgeschmack auf den Erstwein.

Ebenfalls ein late release ist der Rosso della Centa 2010. Dieser Merlot wird nur in den besten Jahrgängen produziert und lehnt sich stilistisch eher an Pomerol als die neue Welt an. Gibt es ein zweites Weingut mit solch einer durchgängigen Größe der Weine im Friaul?

Nachfolgend unser Angebot von Borgo del Tiglio aus Brazzano/Cormons:

 

(für weitere Informationen zu den Weinen und/oder Bestellung bitte diese direkt anklicken; Angebot gültig solange Vorrat reicht)

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Nicola Manferrari wird inzwischen tatkräftig von seinem Sohn Mattia unterstützt

Bitte beachten Sie, dass wir auch noch ein paar wenige, hervorragend gereifte Weine aus den Jahrgängen 2007 bis 2012 anbieten können. Da diese Weine immer einige Jahre zur Reife benötigen, empfiehlt sich gerade für Neugierige zum Probieren ein etwas angereifter Jahrgang. Die 2011er Sauvignon Blanc und Friulano sind jetzt ein Gedicht auf dem Höhepunkt des Künstlers aus dem Friaul.

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Verträumter Blick aus dem Weingut auf die Einzellage „Ronco della Chiesa“

borgo del tiglio

Italien mal umgekehrt: Unscheinbar von Außen und voller Überaschungen im Inneren…
PS: Wenn Sie Wiederverkäufer oder Gastronom sind, sprechen Sie mich doch bitte bei Interesse direkt an….klick!