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Domaine Vrignaud – Chablis wie er sein soll!

Seit der Römerzeit wird Chablis erzeugt und weltweit gehörte dieser stahlige Chardonnay zu den gefragtesten Weinen der besten Restaurants und Gasthäuser. Dank seiner aromatischen Dichte bei gleichzeitig stahliger Kühle gab es kaum ein Gericht, welches nicht zu Chablis funktionierte. Doch in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war man sich dessen in Chablis wohl leider nur zu bewusst und der Ruf von Chablis bröckelte an zu dünnen, ausdruckslosen und unreifen Chardonnays ohne Herkunftstypizität und zu hohen Erträgen gewaltig ab. Dank Zugpferden wie de Moor, Béru, Droin oder Vorreiter Raveneau ist Chablis zum Anfang des neuen Jahrtausends wieder im Kommen, zumal die ex-Parkerisierten, holzgeprägten Südklima-Burgunder nicht mehr so stark en mode sind. Und noch einen Namen sollte man sich unbedingt merken:

DOMAINE VRIGNAUD

Guillaume Vrignaud hat seinen Vater 1999 überredet, die Trauben nicht mehr an die Kooperative abzuzgeben, sondern selbst auszubauen. In 2005 stellte er die Weinberge auf organischen Anbau um und erzeugt eine Palette an herausragenden Chablis, die das einstige Versprechen dieser Weine wieder einlösen: nämlich perfekte Essensbegleiter zu sein.

DOMAINE VRIGNAUD – CHABLIS

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie durch die berühmtesten Weinberge fahren? Diesen Jagdinstinkt, diese Freude und … diesen Durst?

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Quer durch die Weinberge von Chablis…

Während die berühmten Chablis Grand Cru wie die Präsidenten vom Mount Rushmore auf uns herab blicken, winden sich die besten Premier Cru rechts und links um den Berg herum. Folgt man linkerhand dem wunderbaren 1er Cru Fourchaume, gelangt man in das idyllische Fontenay-pres-Chablis. Während in Chablis ein Souvenirladen mit dem nächsten um die Gunst der Kulinarier wirbt, geht es hier sehr ruhig zu. Wenige Minuten und man is(s)t in der französischen Campagne angekommen.

fourchaume

…vorbei am Premier Cru Fourchaume…

Optisch und auch geologisch spürt man die Verwandtschaft zur Champagne. Dank ein paar Grad Celsius mehr im Jahresschnitt, müssen die schlanken Chardonnays aber hier nicht versektet werden, sondern dürfen entweder im Stahl oder bei manch ehrgeizigem Erneuerer auch mal im Holzfass als Burgunderwein heranreifen. In jedem Fall sollte das Resultat ein äußerst bekömmlicher, unbedingt mineralischer und harmonischer Wein sein, der eigentlich immer und zu jedem Anlass in Form ist. Vom Petit Chablis, der zumeist an den obersten Rändern der Weinberge in ca. 250 m wächst bis hin zum komplexen Grand Cru bleibt der Stil unverkennbar und geradlinig.

Die Domaine Vrignaud erzeugt Chablis in allen offiziellen Qualitätsstufen, wobei alle Weine im Stahl ausgebaut sind bis auf zwei Weine: den Chablis Village „Les Champraeux“ sowie eine Premier Cru Fourchaume-Abfüllung „Vaupulons“, die durch den Einsatz von etwas Holz einen Tick mehr Dichte bekamen und an den dunklen Etiketten sofort zu erkennen sind. Ein guter Kompromiss, wenn der Endverbraucher weiß, was er gerne trinkt, es dem Etikett normalerweise aber nicht ansieht.

Was mich persönlich an allen Weinen der Familie Vrignaud absolut begeistert hat, ist diese unglaublich gesunde, leckere und vibrierende Frucht. Selbst der normale Chablis besitzt eine Saftigkeit und einen Trinkfluss, dass ich mich frage, wie man von so einem Wein tatsächlich halbe Flaschen füllen kann… !?! Beim Verkosten des Premier Cru Fourchaume weiß ich dann, warum… Wer von den großen Gewächsen etwas abbekommen möchte, kann ja nicht vorher schon flaschenweise Chablis trinken! Der Fourchaume besitzt eine große Eleganz und legt kontinuierlich an der Luft zu. Aber auch hier ist die saubere Vrignaud-Frucht unverkennbar und lädt zum hedonistischen Vergnügen ein. Dies sind Weine, die getrunken werden wollen (und sollen)!

Natürlich bietet der Blanchot Grand Cru nochmal etwas mehr. Das Spannendste dabei ist aber, dass er nicht einfach schwerer, dichter oder fetter wirkt. Nein, er ist einfach „nur“ komplexer und zeigt eine größere aromatische Struktur. Grand Cru bedeutet nicht, dass ein Wein einen überfahren soll, es bedeutet, dass man ihn länger erkunden kann und dabei immer mehr entdeckt. Was für eine erfolgreiche Weinjagd, die zu meiner gänzlichen Überraschung hierzulande noch (zu) wenig verbreitet ist. Na, dann…

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… bis zur Domaine Vrignaud!