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LEVET – OLD SCHOOL – 2016 Côte-Rôtie

Es hat sich inzwischen weit herumgesprochen: wer große Terroirweine sucht, kommt früher oder später an den wunderbaren Côte-Rôtie von Agnès Levet vorbei. Meine erste Begegnung mit diesen Weinen vor vielen Jahren ist in meinem Gedächtnis verankert als wäre es erst gestern gewesen: Noch nie hatte mich ein Syrah emotional so berührt und so viel Charakter und Tiefe bei sinnlicher Textur und Anmut bewiesen.

Wird in Ihrem Job auch so viel über Digitalisierung, Industrie 4.0 und KI geredet? Sind Sie auch manchmal von der Informationsflut aus Ihrer Welt und der Welt der anderen etwas überfordert? Ich (ver)suche oft den Ausgleich in Dingen, die irgendwie old school sind: eine alte Vinylplatte mit handgemachter Musik, ein Buch zum Blättern statt zum Wischen und einen ungeschminkten Wein, der seine Herkunft offen zeigt und nicht von Moden maskiert wird. All diese Virtuen scheinen die Weine von Agnès Levet aus Ampuis in sich zu vereinen und ich sichere mir seit einigen Jahren stets ein paar solcher Momente für die Zukunft. Dem Yogiismus sei für die Erkenntnis gedankt, dass „old school“ nie aus der Mode sein wird…

Wenn man auf Entdeckungsreise durch das schnuckelige Ampuis geht, kann man kleine, unscheinbare Weingüter ebenso aufspüren wie etwas eindrucksvollere, klassische Weingüter bis hin zum Schloß der Guigals, die den guten Ruf von Côte-Rôtie weit hinaus in die Welt getragen haben. Dazwischen gibt es dieses irgendwie aus der Zeit gefallene kleine „Geschäftchen“ mitten an der Hauptstraße zwischen Metzger, Post und den in Frankreich an jeder Ecke obligatorischen coiffeurs. Man geht hinein, probiert Wein, hält ein Schwätzchen über die Verrücktheit der anderen und nimmt zufrieden ein paar Flaschen mit. Über Parkerpunkte, Globalisierung oder den Weinanbau in China wird hier nicht geredet. Früher habe ich meinen Wein genau so bei Rousseau und anderen Granden der Weinwelt eingekauft. Heute ist das bei all dem Trouble um Winzerstars, Journalistenbewertungen und kleinen Mengen bei Spitzenweingütern kaum mehr möglich. Bei dem hohen Lob über die Weine von Agnès Levet steht zu befürchten, dass der Rummel jetzt schon bei weitem die verfügbaren Flaschen und die Geschäftszeiten von Agnès übersteigt. Einerseits ist das sehr schade, andererseits gönne ich der harten Weinbergsarbeit, dem sehr sensiblen Umgang damit im Keller sowie der geduldigen Beantwortung aller Fragen zum terroir von Côte-Rôtie den mehr als verdienten, respektablen Erfolg von ganzem Herzen. Diese Weine sind nichts weniger als ein Kulturgut!

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Man muss diese Unikate nicht mehr mit großen Namen der Weinwelt vergleichen, um sie zu positionieren. Die geneigten Kunden aus aller Welt sind bestens informiert und warten geduldig bis die Weine im Keller zu ihrer vollen Größe heranwachsen. Auch wenn Agnès Levet die Weine am liebsten erst nach 10, 15 oder auch 20 Jahren entkorkt, sind die Weine deutlich zuvorkommender geworden und die 2016er offener als man das von dieser Domaine früher gewohnt war. Dabei haben die Weine zwar an Sauberkeit gewonnen, aber nichts von ihrer wilden Aromatik und ihrer Einzigartigkeit eingebüßt. Die alte Schule wird behutsam rennoviert, ohne dabei ihren ursprünglichen Charakter zu einzubüßen.

Der Jahrgang 2016 kommt diesem Stil perfekt gelegen: Der bekannte Rhône-Weinjournalist Josh Reynolds (vinous.com) bewertet die Weine sogar noch höher als die binnen weniger Tage ausverkauften 2015er und damit an die absolute Spitze der Appelation. Die 2016er sind nicht ganz so massiv konzentriert und besitzen auch etwas weniger Tannin. Die innere Balance ist einzigartig und die Eleganz bzw. das Burgunderhafte von Côte-Rôtie kommt in diesem Jahrgang wunderschön zur Geltung. Es ist mir gleichgültig, ob dieser Jahrgang nun wirklich „besser“ als 2010 oder 2015 sein muß, denn jeder Wein hat seine Berechtigung und jede Flasche von Levet ist ein Erlebnis. Auch die unterschätzten 2014er sind wundervolle Vertreter ihrer Art, die ich auf ihre eigene Art den 2015ern ebenbürtig sehe.

Kurz zu den Weinen: Der Améthyste ist eine Cuvée aus mehreren Steillagen rund um Ampuis. Er ist sozusagen der Einschulungswein von Levet und stets am frühesten trinkreif. Dahingegen ist der Schiefer-geprägte Maestria, der zum größten Teil aus der berühmten Lage La Landonne entstammt, in der Jugend deutlich strenger und monolithischer. Er reift aber zu einer großen Finesse und Mineralität heran, die ihn zu bestem Rinderfilet à point empfiehlt. Der grand vin des Hauses ist der La Péroline. Es ist schwierig, diese Komplexität, die aus kleinen Früchten und dieser unbeschreiblichen, mineralischen Terroiraromatik besteht, zu beschreiben, ohne dabei wie ein Werbetexter zu klingen. Probieren Sie einfach selbst, ob Ihnen dieser Wein schmeckt. Aber warten Sie nicht bis die Schule aus ist…

Folgende Weine der Vignobles Levet können wir Ihnen anbieten so lange der Vorrat reicht:

 

Levet

One of the tastings of my life: Während die Kinder saftige Weinbergpfirsiche naschen und im Keller herumtoben dürfen, probiere ich die verschiedenen Weine aus den großen Fässern. Ich bin tief beeindruckt und werde diesen Weingeschichtsunterricht nie vergessen! Zum Glück eine Doppelschulstunde ohne Pause!

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