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Oben Rhône: Die nördliche Rhône und ihre Stars

Nördliche Rhône: Glorreiche Sieben

Die Klassiker von der oberen Rhône (nördliche Rhône) sind nicht die großen Handelshäuser und Cooperativen, sondern die vielen kleinen Familienweingüter, die ihre Passion zusammen mit besten Rebanlagen von Generation zu Generation vererben. An der nördlichen Rhône gedeiht der Syrah in Steillagen zu außergewöhnlichen Höhenflügen und verbindet nicht nur geographisch die Weine des Südens mit dem kühleren Norden. Sind den Weinen Kraft, Fleischigkeit und Urwüchsigkeit zu eigen, so besitzen die besten Exemplare eine Frische und Finesse, die man in dieser Qualität sonst nur im Burgund vermutet. Wir haben aus den vielen kleinen Weingütern unsere Favoriten ausgewählt und bieten Ihnen diese hiermit gerne an. Wenn Sie die einzelnen Weingüter noch nicht kennen, versäumen Sie dabei bitte nicht das Probierpaket „Oben Rhône“, um auch Fan dieser zauberhaften Weine zu werden!

Wir stellen Ihnen diese glorreichen sieben Weingüter nachfolgend gerne etwas näher vor: Domaines de Rosiers und Barge aus Ampuis (dem Herzen von Côte-Rôtie), Jean-Claude Marsanne aus St. Joseph sowie Franck Balthazar, Corinne Lionnet & Ludovic Izerable, Vincent Paris und Alain Verset aus Cornas.

Domaine de Rosiers – Côte-Rôtie (Nördliche Rhône)

Es ist offensichtlich, dass wir eine große Schwäche für die feinen Côte-Rôtie haben, die man auch als „Tor zu Burgund“ bezeichnet. Nachdem wir die Weine von Levet vor kurzem unseren wINeSIDERn beschrieben haben, sind nun auch die herrlich Burgunderhaften auf Finesse und Freude getrimmten Côte Rôties von Maxime Gourdain und seinem Onkel Louis Drevon von der Domaine de Rosiers endlich wieder verfügbar!

Letzte Woche habe ich den 2014er Côte-Rôtie „Besset“ nachprobiert und das war einer der feinsten und finessigsten Weine von der gesamten nördlichen Rhône! Unverkennbar Syrah und doch so eine etherische Nase wie ein ganz großer Burgunder. Das war Spaß, Freude und Glück pur! Hierzulande wurde noch nicht viel über die von Maxime Gourdain weitergeführte Domaine geschrieben, die englische und französische Presse sind uns da wohl einen Schritt voraus. Welch ein Glück für Louis Drevon, der stets ehrlichen, guten Côte-Rôtie bereitet hatte, aber keine eigenen Kinder hat, die das Weingut weiterführen könnten, dass sein Neffe mit besten Weinmachergenen und ungeheurem Talent ausgestattet ist. Der talentierte Maxime Gourdain ist noch in seinen Zwanzigern und dank seiner Leidenschaft für die schieferhaltigen Steillagen rund um Ampuis sowie der uneingeschränkten Unterstützung von Louis Drevon schon so stilsicher unterwegs, dass alle seine Weine Jahrgangsunabhängig eine unverkennbare Handschrift tragen. Die Weine sind dabei viel nahbarer als die der großen Traditionalisten und besitzen doch die notwendige Tiefe und Komplexität, um ein, zwei Jahrzehnte problemlos zu überdauern.

Angefangen wird das Programm von einem Syrah etwas außerhalb der Appelation. Dieser wurde kürzer und mit wenige Holzeinfluss augebaut, um die Frische zu betonen und die Wartezeit auf die großen Gewächse zu überbrücken. Leider gibt es nur sehr wenige so wundervolle Syrah aus der Region, die genau solch einen fairen Spaß bieten! Die Cuvée Drevon zeugt von Respekt vor Maximes Onkel und ist Jahr für Jahr eine zuverlässige Mischung aus besten Lagen rund um Ampuis. Stets ein Augenzwinkern in Richtung Burgund und aufkommende Frühlingsgefühle in der Flasche. Der Coeur de Rosier besteht zum größten Teil aus der sehr guten Lage Roziers und stellt eine Art Selektion der besten Fässer dar (die ihrerseits aus den älteren Rebanlagen und besten Expositionen gefüllt wurden). Es ist der vielleicht kräftigste Wein der Domaine, der nicht nur den Winter verkürzt, sondern auch die lange Schmorzeit eines Bratens belohnt… Der größte Côte-Rôtie aus der Einzellage Besset etwas nördlich von Ampuis setzt Komplexität und Finesse vor Kraft und Schwere. Fast tänzerisch bewegt er sich über den Gaumen und verwöhnt den Verkoster mit einem langen Nachspiel feinster Früchte und Mineralien. Fast schon beängstigend wie stilsicher Maxime bereits in jungen Jahren die Szene der nördlichen Rhône aufmischt. Falls Sie sich nicht entscheiden können oder die Domaine noch nicht auf dem Schirm haben, empfehle ich Ihnen auch hier das Probierpaket.

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Alle Schritte werden in der Domaine de Rosiers von Maxime Gourdian und seinem Onkel Louis Drevon selbst durchgeführt.

Domaine Barge – Côte-Rôtie (Nördliche Rhône)

Ein Name, der unzertrennlich mit Ampuis verbunden ist, ist der von Gilles Barge. Bereits in jungen Jahren hat er seinen Vater Pierre bei der Bereitung von Côte-Rôtie unterstützt und leitet die Domaine direkt unterhalb der Côte Brune seit 1993. Inzwischen ist mit Julien Barge die nächste Generation am Ruder und jedwede Eingriffe in die Weinbereitung werden noch weiter reduziert. Der Einsatz chemischer Hilfmittel im Weinberg sowie die Schwefelung werden konsequent weiter auf ein notwendiges Minimum reduziert. Die Weine sind echte Klassiker. Nicht so flamboyant wie Jamet oder Levet, sondern eher understated, klassisch und zutiefst beruhigend. Nichts ist hektisch, nichts ist gemacht, nichts ist zu viel an diesen Weinen, die auf der anderen Seite auch nichts zu wenig haben. Eine perfekte Balance und tiefe, innere aromatische Konzentration erfordern einige Jahre Reifezeit. Ein just verkosteter 2013er Cuvée du Plessy öffnet gerade erst sein langes Trinkfenster einen Spalt weit. Die 2016er sind durch die Reihe von großer Klasse und Langlebigkeit. Den illustren Côte Brune sollte man 15 Jahre aufheben, um einen großen Wein zu verkosten. Die anderen Weine mag man ob ihrer Balance anfangs etwas unterschätzen. Wie beim 13er kommt mit jedem Jahr im Keller und jeder Stunde in der Karaffe mehr Komplexität hinzu. Den häufig zitierten – und doch oft verklärten – guten alten Zeiten sollte man nicht hinterher weinen, sondern die heutige Zeit dank solcher Weine zu ebensolchen machen. Santé!

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Ernte in den Steillagen der Domaine Barge – nichts für Höhenängste.

Domaine Jean-Claude Marsanne – St. Joseph (Nördliche Rhône)

Wir lieben diese kleinen Familienweingüter, sagte ich das schon? Auch bei der Familie Marsanne scheint alles familiär zuzugehen. Die Weinbereitung wurde von Generation zu Generation vererbt und die besten, Granit-haltigen Lagen von St. Joseph ergeben einen Syrah, den man einfach nur als grundehrlich bezeichnen kann. Er besitzt alle Attribute, die der vielleicht als Geheimtip geltenden Gemarkung von St. Joseph zu ihrem aktuellen Ansehen verhelfen. Während die Welt viel Geld für den Hermitage auf der anderen Seite ausgibt, kann man hier noch handwerkliche Spitzenweine genießen, die auf den Weinkarten der besten Restaurants meistens nur bis zum nächsten Jahrgang stehen. Echte Food-Weine mit Soulfaktor würde man neudeutsch sagen. Die Familie gehörte zu den ersten, die auf fremde Klone verzichteten und ihren eigenen Rebennachwuchs züchteten. Im Keller wird möglichst wenig eingegriffen und heraus kommt ein frischer, süffiger 2017er, dessen Tannine sehr angenehm sind und dessen Trinkfluss Genuß auch in jungen Jahren verspricht. Aber vorsicht, auch diesen feinen Wein sollte man nicht unterschätzen, der sicher in den nächsten Jahren noch an Tiefe zulegen wird.

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Nördliche Rhône: Syrah von kargen Böden aus St. Joseph ist immer noch so etwas wie ein Geheimtip hier.

Domaine Franck Balthazar – Cornas (Nördliche Rhône)

Über Franck Balthazar brauche ich nicht all zu viel schreiben. Die Weinkritiker lieben und loben ihn bereits in den höchsten Tönen und da wir die Weine schon seit vielen Jahren direkt importieren, hat sich bereits eine Stammkundschaft für diese herausragenden Cornas gebildet. Wenn man einen Wein mit einem Laser zurecht schneiden könnte, würde so etwas mineralisches wie der Cornas von Franck herauskommen. Franck sieht man die tägliche Arbeit im Weinberg an und spürt seinen Respekt vor Thierry Allemand als Vorreiter natürlicher Cornas. Bei der Probe aus dem winzigen Fasskeller wechseln sich Bescheidenheit und Stolz in unvorhersehbarer Reihenfolge ab, während alle Weine durchgehend das Prädikat herausragend verdienen. Bereits der Côtes du Rhône aus Séguret ist ungewöhnlich präzise für einen Wein der südlichen Rhône, was sicher auch am ungewöhnlich hohen Syrah-Gehalt liegt. Der Crozes besitzt deutlich mehr Strenge, aber auch Finesse. Das Terroir gewinnt hier die Oberhand. Die Cornas spielen in einer eigenen Liga. Leider wird die Nachfrage im Verhältnis zur Menge immer größer, so daß wir uns entschlossen haben, die Weine in maßgeschneiderten Probierpaketen anzubieten, damit mehr Weinfreunde die Chance haben, diese exzellenten Gewächse zu probieren. Da von einzelnen Lagen nur wenige Kisten nach Deutschland kommen, stellen wir so außerdem sicher, dass auch von den seltenen Weinen mehr Kunden etwas abbekommen. Sollten Sie über das Probierpaket hinaus, Ihren Keller etwas auffüllen wollen, sprechen Sie uns einfach dazu an.

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Eine Stunde mit Franck Balthazar ersetzt das Studieren mehrerer Bücher…

Domaine Lionnet – Cornas (Nördliche Rhône)

Die Weine von Franck Balthazar sind schon vergriffen? Sie suchen noch mehr Cornas der Spitzenklasse? Dann dürfen wir Ihnen gerne eine Neu-Entdeckung anbieten, die es in sich hat. Corinne Lionnet hat das Weingut Ihrer Eltern geerbt und bewirtschaftet ein paar der besten Lagen in Cornas zusammen mit Ludovic Izerable. Ludovic besitzt ein Händchen für klassische Weine im Stile von Agnes Levet oder Jean Paul Jamet. Ganztraubenvergärung, skrupulöse Weinbergsbewirtschaftung und ein Ausbau in gößeren Fässern von gebrauchtem Holz. Echte Terroirknaller sind das, die eine Stringenz besitzen, wie ich sie nur von Syrah aus Cornas kenne. Ich bin sicher, dass wir von dieser Domaine noch viel hören werden. Bis dahin sollten wir möglichst viel davon trinken!

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Nicht viele Winzer trauen sich mit Vierhufern in die Steillagen von Cornas!

Domaine Alain Verset – Cornas (Nördliche Rhône)

Nun brauchen sehr gute, traditionell bereitete Cornas bekanntlich mindestens 7 Jahre bis zur ersten Trinkreife. Auf der Suche nach einem etwas angereiften Jahrgang ist mir dann etwas großartiges in die Hände gefallen: ein paar Kisten 2011er Cornas von der Domaine Verset! Der Wein sprüht gerade aus dem Glas, er funkelt und sein Parfum steigt Pinot-haft aus dem Glas. Dank der Ganztraubenverarbeitung besitzt der Wein so viel Spannung und Frische, dass die Flasche viel zu schnell leer ist. Auch Alain Verset gehört zu einer der berühmtesten Winzerfamilien der nördlichen Rhône und ist gerade dabei, den kleinen Betrieb an seine Tochter weiter zu reichen. Was für ein Erbe! Cornas so wie er sein muss und dazu jetzt schon antrinkbar. Unbedingt probieren!

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Nur die besten, gesunden Trauben aus den Granitlagen von Cornas kommen in den finalen Wein.

Domaine Vincent Paris – Cornas (Nördliche Rhône)

Auch wenn wir die traditionellen Weine über alles lieben, heißt das nicht, dass es nicht modernere Weine gibt, die uns verzaubern. Einer, dem es gelingt den Syrah zu zähmen so wie Elio Altare den Barolo ist Vincent Paris. Mit der richtigen Dosierung von Holz, dem gekonnten An- und Ausbau von Trauben aus einer der besten Lage an der Rhône mit uralten Rebstöcken (La Geynale) schafft Vincent Paris geschliffene Meisterwerke, die einfach zum Trinken gemacht sind. Doch auch wenn die Weine jung schon so betörend sind, reifen sie ebenso gut wie die von Sandrone oder Altare im Piemont. Wir finden, dass man beides im Keller haben darf, wenn die Qualitäten in der jeweiligen Geschmacksrichtung perfekt erscheinen. Der Granit 30 ist etat-mäßig der underdog, der kleine Verein in der Bundesliga und genau das macht den Reiz dieses Weines aus: Spaß und Emotion! Der Geynale spielt in Sachen Dichte, Länge, Tiefe und Komplexität eher in der Champions League und ist für besondere Momente die richtige Wahl.

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Der Traubendirigent Vincent Paris.