Suavia

Offene Geheimnisse – Suavia, Davide Carlone, Bordeaux-Aktion und Mouthes-Le Bihan

Seien wir ehrlich: die Zeit der Jäger und Sammler dauert bei der Beschaffung von Wein wohl noch lange an. Viele von uns werden wohl die Massenhaltung im Keller einer Bedarfsgerechten Kühlschrank-Haltung vorziehen. Doch im Gegensatz zu Pilzsammlern oder Jägern verlorener Schätze sind wir Weinfreunde doch stets nächstliebend davon begeistert, Geheimnisse zu öffnen. Das Teilen einer neu entdeckten Bouteille mit Freunden und auf sozialen Medien vervielfacht die Freude und die Lust auf mehr. Doch nichts übertrifft den Moment der Offenbarung der Geheimnisse des Flaschengeistes, die der natürliche Feind der Korkeiche nach Jahren der Verschlossenheit aus ihm herausdreht.

Es ist unser steter Ehrgeiz, Ihnen abseits des Mainstreams solche Momente zu bescheren und wir möchten Ihnen heute eine ganze Reihe an Geheimnissen in Flaschenform zur Öffnung anheimstellen: die unbekannten Spitzen Norditalienens (Suavia und Carlone) ebenso wie die offenen Schlösser aus Bordeaux in weiß und ein Multitalent aus dem Südwesten (Mouthes-Le Bihan).

Suavia

Wenn ich an das Veneto denke, dann habe ich vor allem Instrumentenbau, klassische Konzertkultur und natürlich die vielleicht schönste Stadt der Erde stereotyp im Kopf. Die Weine haben wir bisher sträflich vernachlässigt, weil sie irgendwie aus der Mode und von unseren Tischen verschwanden. Irgendwann kamen Alex und Christian mit diesen wunderbaren Weißweinen von Suavia um die Ecke. Sie zeigen, dass das vor allem kulturell perfektionistische, handwerklich geniale Gen der Venezianer auch auf den Weinbau überspringt. Salzig-saftige Weine, die ausgezeichnet zu dem passen, was an der Adriaküste frisch gefischt ans Land kommt. Das sind nicht nur ideale Essensbegleiter, sondern sie besitzen auch Spannung, Nerv und internationale Klasse. Wunderbare, naturnah erzeugte Soave in verschiedenen Ausbaustufen vom Alltagswein bis zum Begleiter einer Fisch-betonten Sterneküche. Ich glaube, auch in Sachen Weißwein geht in Italien immer mehr! Gut für uns, dass das Öffnen dieser Pretiosen von Suavia kein Studium der eigenen Bankauszüge  erfordert…


Davide Carlone

Wir haben die Weine von Davide Carlone schon vorgestellt: Zusammen mit Christoph Künzli arbeitet er hart im Weinberg an der Rennaissance des großartigen Terroirs von Boca. Herausragende Nebbiolo-Weine sowie ein paar einheimische Trauben des nördlichen Piemonts. Wir sind froh, dass wir die letzten paar verfügbaren Kisten aus dem Weingut ergattern konnten und auch der neue Jahrgang dabei ist. Wir müssen nicht ganz so streng limitieren wie bei der letzten – binnen Tagen ausverkauften – ersten Palette. Das gilt natürlich nur, wenn sich das Geheimnis dieser Weine noch nicht allzuweit geöffnet hat …


Offene Schlösser

Was mich an Bordeaux immer etwas stört, ist, dass die Schlösser meist verschlossen sind. Jung ist der Wein der Flaschen genauso abweisend wir der Hofverkauf der großen Schlösser. Was für eine Freude als wir ein Lager mit unzähligen Bordeaux-Kisten geöffnet haben und dort eine Fülle an trinkreifen Weinen entdeckt haben. Diese werden nun sukzessive im Shop ergänzt und ein wiederholter Blick lohnt sich für alle durstigen, angehenden Schlossbesitzer. Insbesondere auf die zahlreichen weißen Bordeaux möchte ich hinweisen, die sich von ihrer frigiden Arrivage zu offenen Charmeuren entwickelt haben. Das Holz ist integriert, der Sauvignon wird von etwas Semillon von jedweder Vulgarität befreit und die Weine geben jetzt herrliche Essensbegleiter zum kaltgeräucherten und auch gegasgrillten bzw. – besser – geholzkohlegrillten Fisch ab. Gerne dürfen Sie auch Krusten öffnen, um das leckere weiße Fleisch mit diesen Weinen zu verfeinern. Das Stöbern erleichtert vielleicht auch der zeitlich begrenzte wINeSIDER-Vorteil solange der Vorrat reicht…


Domaine Mouthes-Le Bihan

Wenn wir die offenen Schlösser des Bordelais passiert haben und uns dem Südwesten der Grande Nation widmen, findet man weniger Aristokratie, Handel und Spektakel. Handwerkliche Kleinkunst, Stilleben auf den zweiten Blick und eine durchaus ehrliche Küche begeistern den ruhigen Reisefreund ebenso wie die Weine der Region, die zum Trinken gemacht wurden. Beim Parshipping von Wein und Speisen geht man immer auf der sicheren Seite, wenn man regionale Spezialitäten paart. So kann das beste, was der Atlantik hergibt, auch wunderbar mit dem gedatet werden, was die Weinregionen in der Nähe zu bieten haben. Eine gegrillte Seezunge oder Languste mit den Weißweinen von Mouthes-Le Bihan ist ebenso ein Gaumenschmaus wie die eigentlich eher rustikale Küche rund um Cassoulet, Bohneneintopf oder Brathuhn zu den süffigen Roten. Auch wenn hier die gleichen Trauben wie im Bordelais genutzt werden, ist der Stil der Weine ein ganz anderer: Regional statt international, Spaß statt Etikette, Genuss statt Punkte, und eben Eintopf statt Tournedos Rossini… und ja, natürlich, nicht zuletzt auch offen statt verschlossen!