Trinkig

Trinkig Made in Germany: Das Land mit den wunderbar „trinkigsten“ Weinen

Trinkig, was ist das eigentlich für ein neudeutscher bzw. neuoenophiler Ausdruck? Ist nicht jede Flüssigkeit trinkbar und dann auch trinkig? Muß man so einen Begriff der aufstrebenden Sommelierherde nutzen?

Ich hatte neulich das große Vergnügen, mit meinen neuen Nürnberger Kollegen große Weine zu verkosten und dabei begannen Christian Schumann und ich, vom deutschen Wein zu schwärmen: Unser Land bietet eine unglaubliche Auswahl an Weinen, die man einfach ins Glas gießt, großen Spaß dabei empfindet und dennoch auch genügend Komplexität und Mineralik erschmecken kann, dass die Gespräche darüber nicht verstummen. Der deutsche Wein mag von der Klimaerwärmung profitieren oder davon, dass die wirtschaftliche Kraft den Winzern ermöglicht, den Ertrag noch etwas zu reduzieren und die Kellertechnik auf Benchmarkniveau zu bringen. Wir sind geschmacklich fest davon überzeugt, dass es nirgendwo auf der Welt einen „trinkigeren“ Wein als den aus Deutschland gibt. Nicht nur der Begriff trinkig ist made in Germany, er ist auch der Inbegriff von Weinen made in Germany!

Und hier finden Sie unsere persönliche Auswahl, die dank der großen Erfahrung von Christian mit Geheimtips aus dem eigenen Land substantiell an Breite und Tiefe gewonnen hat. Danke, Christian!

In alphabetischer Reihenfolge bieten wir Ihnen die „schmeckigen“ badischen Weine vom Weingut Bercher an, die nordisch-fränkischen Charaktere von Bastian Hamdorf, die Mittelmoselaner aus dem Batterieberg, die erstaunlich geheimen cool climate-Burgunder von der Familie Rinke sowie die rheinischen Stars vom Weingut Solveigs.

Bercher
Seit vielen Jahren verfolgen und führen wir die Weine von Arne und Martin Bercher. Trinkig geht das Programm mit der Cuvée Franz Michael und den herauragend schönen Burkheimer Ortsweinen los, aus denen der Kaiserstuhl ruft, aber nicht schreit. Bei diesen Weinen frage ich mich immer wieder, warum ich jemals mehr Geld für eine Flasche ausgeben soll. Bei manch Spaßbefreitem Parkerburgunder erlebt man nie eine solche Freude. Eines besseren belehrt wird man bei den großen Gewächsen mit der Betonung auf groß. Die Weine aus dem Haslen gehören für mich zu den allerbesten weißen und grauen Burgundern der Welt und auch der Kesselberg kämpft bei den Spätburgundern mit etwas Reife an vorderster Front. Ich habe mich heimatlich quer durch den Kaiserstuhl und zurück getrunken, aber kein Weingut besitzt eine so herauzsragende Klasse über die letzten drei Jahrzehnte vom Einstiegswein bis zum großen Gewächs. Klare Nummer 1 in Baden! Widerspruch zwecklos… 😉

Arne Bercher und sein größter Fan

Arne Bercher erzeugt im Keller aus den von seinem Cousin Martin gewonnenen Trauben großartige Burgunder, die nicht nur sein größter Fan für die besten am Kaiserstuhl hält.

Hamdorf
Das gebürtige Nordlicht Bastian Hamdorf nennt seit ein paar Jahren sein eigenes kleines Weingut im ruhmreichen Klingenberg am Main sein Eigen. Auf nur mühsam zu bewirtschaftenden Terrassen gedeihen neben den regionalen Platzhirschen Spätburgunder, Silvaner und Riesling auch eine Reihe anderer Varietäten. Die Reben sind zu einem guten Teil sehr alt und liefern nur schmerzhaft geringe Erträge von allerdings bemerkenswerter Güte. Stilistisch verfolgt Bastian Hamdorf komplett eigene Vorstellungen, so dass die Erzeugnisse des Hauses in ihrer schlanken, stillen und trotzdem nachdrücklichen Art nicht nur in Franken ihresgleichen suchen. Es sind allesamt hochgradig feine, ja beinahe zarte und in ihrer Jugend etwas reservierte Weine, auf die man sich zur Gänze einlassen muss und für die man sich vor allem reichlich Zeit nehmen sollte.

Sebastian Hamdorf

Bastian Hamdorf hat die fränkische Antwort auf das Jura parat und bleibt dabei den Vorzügen der fränkischen Weine treu.

Immich-Batterieberg
Betriebsleiter Gernot Kollmann hat es binnen eines Jahrzehnts bewerkstelligt, eines der ehemals renommiertesten und obendrein ältesten Güter an der Mittelmosel aus einem langen Dornröschenschlaf zurück in die Spitzengruppe der Region zu katapultieren. Sein Schwerpunkt liegt ganz klar auf trocken schmeckenden Rieslingen, die samt und sonders spontan vergoren werden und lange auf der Hefe reifen. Hierbei kann er auf ein erlesenes Portfolio an Spitzenlagen mit teils uralten wurzelechten Reben zurückgreifen. Die Rieslinge von Immich-Batterieberg sind – vom animierenden Kabinett bis hin zu den Weinen aus großen Lagen – geprägt von enormer Dichte und innerer Spannung und belohnen ein paar Jahre Ruhezeit im Keller mit einem hohen Maß an Komplexität und Harmonie. Und ja…, trinkig sind sie dann auch 😉

immich batterieberg

Gernot Kollmann hat den traditionsreichen Namen des Batteriebergs wieder an die Spitze des deutschen Weins gewinzert.

Rinke
Als Dr. Marion und Alexander Rinke beschlossen, als Quereinsteiger Wein zu machen, beschritten sie einen ungewöhnlichen Weg: Sie entschieden sich für eine verwilderte Fläche im weithin unbekannten, von Muschelkalk geprägten Langsurer Brüderberg an der Obermosel und pflanzten dort einen Mischsatz aus Chardonnay und anderen, teils exotisch anmutenden Sorten. Das Ergebnis überzeugte vom ersten Jahrgang an und genießt unter Eingeweihten mittlerweile regelrechten Kultstatus als feiner weißer Burgunder mit einem kleinen aromatischen Schuss. Inzwischen kultiviert man an Mosel und Saar auch andere Burgundersorten sowie Riesling, allesamt erfreulich unangepasste und dennoch typische Vertreter ihrer Herkunft. Die kleinen Mengen Rotwein des Hauses zählen in ihrer leichtfüßigen und animierenden Art für uns zu den spannendsten Entdeckungen überhaupt.

Familie Rinke hat Durst!

Stets das richtige Händchen für charaktervolle Eigengewächse der schönsten Art: die Rinkes haben steten Durst auf großartige Weine!

Solveigs
Jens Heinemeyer bereitet – lange quasi unter dem Radar der heimischen Weinszene – seit mehr als zwei Jahrzehnten einige der aufregendsten und eigenständigsten Pinot Noirs Deutschlands. Diese stets kraftvoll eleganten Burgunder sind selbstbewusste Kinder des Schiefers im Allgemeinen und des legendären Terroirs von Assmannshäuser und Lorch im Speziellen: Sie sind gekennzeichnet von nobler Rauchigkeit und feinsten Cassis-Noten und altern herausragend. Wir sind stolz, unseren Kunden eine im Handel wohl einmalige Jahrgangstiefe dieser markanten Unikate anbieten zu können. Insbesondere die Einzellagenabfüllungen „Micke“ und „Present“ sind äußerst rar und als Folge des überschwänglichen Presse-Echos der letzten Zeit so begehrt, dass wir sie teilweise stark limitieren müssen.

Heinemeyer - Solveigs

Jens Heinemeyer kann sehr stolz auf seine Ergebnisse sein: die Weine räumen jung derzeit alle Preise ab, wobei man nicht deren Reifefähigkeit unterschätzen sollte.