Klassiker

Weinklassiker – AMIRAULT, CASTAGNIER, LATOUR-GIRAUD & LEVET

Weinklassiker, was sind das eigentlich?

Wikipedia sagt: „Klassiker sind klassische Werke, Autoren, Topoi oder Produkte. Als „klassisch“ im allgemeinen sprachlichen Sinne wird etwas bezeichnet, das typische Merkmale in einer als allgemeingültig akzeptierten Reinform in sich vereint und mithin als formvollendet und harmonisch gilt.“

Ich hätte authentische französische Weine nicht treffender beschreiben können! Bei der Defintion von Klassik denke ich an Burgund, an die nördliche Rhône und auch an die Loire. Traditionsreiche Weine in ihrer reinsten Form, die das Terroir und nicht den Keller zum Vorschein bringen. Klavier statt Syntheziser, Beethoven statt Bohlen…

Frisch eingetroffen und eintreffend möchte ich Ihnen vier Klassiker ans Herz legen:

Die Domainen Yannick Amirault aus Bourgueil, Castagnier und Latour-Giraud aus Burgund sowie Levet von der nördlichen Rhône. Echte Klassiker eben…


Weinklassiker #1: Domaine Yannick Amirault

Die Domaine von Yannick und Benoît Amirault arbeitet schon seit einiger Zeit naturnah und diese Cabernet Francs sind echte Klassiker in Sachen Reintönigkeit, Authentizität und Rasse. Dabei sind diese Weine feingewoben und in der Spitze „volupteux“ wie die ganz großen Namen. Man erkennt die Weine oft durch die Schlehen-, Heidelbeer- und Holunderaromen, die fein verwoben mit der saftigen und süffigen Art Lust auf mehr machen.

Warum zähle ich diese Weine zu den Klassikern? Weil Bourgueil bereits in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu den großen Namen der Loire gehörte und seit jeher einen exzellenten Ruf für gereifte Spitzen-Cabernet Francs besitzt. Winzer wie Yannick Amirault haben diese große Lage wieder aus dem Dornröschenschlaf geküsst und die Weine sind nicht nur jung frohlockend, auch sie altern exzellent. Die Weine sind seit Jahren fester Programmbestandteil von Finkenweine und ich freue mich ganz besonders, Ihnen die aktuellen Jahrgänge hier zu offerieren. 2017 reiht sich in die sehr guten Jahrgänge seit 2014 ein (übrigens ebenso wie 2018 und 2019). Ähnlich der nördlichen Rhône oder dem Piemont scheint es hier mal zum Positiven in Sachen Erderwärmung zu gehen und so sind inzwischen 6 Jahrgänge in Folge als sehr gut zu bewerten, was es so wohl noch nie gegeben hat. Natürlich gibt es dennoch Jahrgangsunterschiede in der Menge und auch im Ausdruck. Bei Amirault empfehle ich, diese einfach selbst zu erschmecken, da der klassische Hausstil in jeder Füllung erhalten bleibt und man sich auf keine Enttäuschungen vorbereiten muss. 2017 hat etwas weniger Säure und Spannung als 2014, ist dafür aber früher genussreif und macht jetzt schon viel Spaß. Benoit mag die ganz heißen Jahre am liebsten, wie die 2003er der Domaine jetzt eindrucksvoll belegen. An der Loire sind solche Jahrgänge nicht so überladen wie weiter im Süden. Und da kommt 2018 gerade richtig…

Weinklassiker #1 - Yannick Amirault

Die Kanone auf dem Etikett gibt es auch in Wirklichkeit. Heute kämpft man gegen unnatürlichen Wein 😉

Weinklassiker #2: Domaine Latour-Giraud

Seit vielen Jahren eine der Referenzen in Meursault sind die Weine der Domaine Latour-Giraud zum Glück nur geschmacklich in der ersten Liga, preislich folgen sie Ente, Lafon oder Coche aktuell nicht. Jean-Pierre Latour mag nicht die nussig-buttrigen Meursaults mit wenig Säure alter Tage, sondern am ehesten die von Jean-Francois Coche verfolgte Linie mit mehr Frische, reduktiven Streichholzschachtelaromen und einer sich langsam entfaltenden Tiefe. Der 2017er Meursault wirkt zu Anfangs beispielsweise eher leicht und munter, legt aber am zweiten und dritten Tag dramatisch an Spannung und aromatischer Komplexität zu. Man darf die Weine anfangs nicht unterschätzen. Aus der Einzellage Genevrières, von der Jean-Pierre nach Bouchard am meisten besitzt, kommt Jahr für Jahr einer der besten Premier Crus trotz illustrer Konkurrenz.

Die Weine eignen sich sehr gut als Speisebegleiter der feinen Küche und werten jedes Festmahl auf. Dank der süffigeren, präzisen Art sollten mehr Magnums gefüllt werden. Leider konnte ich Jean-Pierre noch nicht davon überzeugen, aber ich bleibe dran. Bis dahin bleibt Ihnen und uns leider nur die Möglichkeit, gleich mindestens zwei Flaschen zu kühlen…

Das Angebot der 2017er finden Sie hier. Die 2017er sind nicht ganz so konzentriert wie die 2014er, besitzen aber bei etwas Reife eine ähnliche Komplexität, verbunden mit der leichteren Art analog der 2012er. Sehr schöne weiße Burgunder, wenngleich die Mengen wegen Spätfrost und Hagel in Burgund in 2017 extrem gering sind.

Weinklassiker #2 - Latour-Giraud

Bei Latour-Giraud sind nicht nur die gesunden Weinberge sehr gepflegt. Auch im Weingut und Keller geht es sehr sauber zu und die Weine scheinen es mit höchster Präzision zu danken.

Weinklassiker #3: Domaine Jerome Castagnier

Endlich darf ich Ihnen einen Klassiker präsentieren, hinter dem ich schon seit Jahren her bin. In Burgund wahrhaftige Grand Cru zu jagen, ist inzwischen eher ein Sport für russische und chinesische Millionäre geworden und die besten Weine liegen oft im mittleren dreistelligen Preisrange. Das macht keinen Spaß mehr. Die Erinnerung an die „gute alte Zeit“ treibt einem Kummer in die Weinseele. Doch wenn man sich von der Melancholie einmal löst und nüchtern die heutige Weinszene in Burgund betrachtet, stellt man fest, dass die Zeiten nie besser waren. Wenn man nicht auf die großen Namen setzt, sondern nur auf die Qualität achtet, stellt man fest, dass unheimlich viele, früher unbekanntere Weingüter heute erstklassige Weine bereiten, die es mit den bekanntesten von vor 20 Jahren locker aufnehmen: Ein guter Premier Cru von heute ist qualitativ auf Augenhöhe mit den Grand Crus der 90er. So gesehen, bekommt man die gleiche Qualität noch annähernd zum gleichen Kaufkraft-bereinigten Preis. Nur der Name ist halt weniger illuster…

Einige Weingüter, die ich früher gern mochte, aber nicht ganz vorne mitspielten, sind mir heute die Liebsten. Ich denke an Hervé und Laurent Roumier, die im Schatten von George/Christophe blitzsaubere Burgunder erzeugen, an Chantal Remy, die die winzige Louis Remy-Domaine zu altem Glanz zurückführt und an Jerôme Castagnier, der die einstigen Mövenpick-Basisburgunder von Guy Castagnier/Newman runderneuerte. Alles herausragend gute Burgunder im preislichen Schatten der ganz, ganz großen Namen.

Jerome Castagnier hat einiges verändert: Die stets Fruchtstrotzdenden, eleganten Weine seines Vaters baut er inzwischen biodynamisch an und minimalinvasiv im Keller aus. Weinbergsmanagement und bedingungsloses Qualitätsstreben verfolgt der ehemalige Trompeter der Nationalgarde voller Inbrunst und burgundischem Stolz und Selbstverständnis. Der 2013er Chambolle-Musigny beginnt gerade aufzublühen und die innere Frucht kehrt ihr Herz gerade nach außen. Das ist der Burgunderhimmel für normale Sterbliche. Hier können wir Ihnen nun ganz wenige Einzelflaschen dieses shooting stars anbieten, der aber doch in seiner Art ein Klassiker ist. Innere Harmonie und Formvollendung, darum geht es mehr als nur um einen unauffindbaren Namen. Schön, dass so viele Grand Cru-Lagen nun in so kompetenten und fleißigen Händen liegen und auch schön, dass bestens befreundete Winzer ihm zusätzlich noch ein paar ihrer besten Trauben abgeben, um das kleine Programm noch etwas zu ergänzen.
(*) Die Weine von Jerôme Castagnier sind noch in der Zustellung aus Burgund, können schon bestellt werden und wir liefern sobald verfügbar!

Weinklassiker #3 - Domaine Castagnier

Einer der leisesten Grand Cru der Côte de Nuits. Rassig, elegant, fruchtbetont und voller Komplexität wird der Clos de la Roche oft unter Wert verkauft.

Weinklassiker #4: Vignobles Levet

Es gibt so ein paar besondere Weinklassiker, bei dem mir warm ums Herz wird und die mich emotional so berühren, dass es mir Tränen in die Augen treibt. Dazu gehören Eisweine von J.J. Prüm oder die 2005er Zillikens, ein reifer Château Margaux oder Haut-Brion, ein Romanée St.Vivant von Hudelot-Noellat oder ein wahrhaftiger Hermitage von Chave. Und in den letzten Jahren hat sich ein Wein dazugesellt, den ich früher nicht einmal kannte. Der Côte-Rôtie von Agnès Levet ist für mich der Inbegriff eines Weinklassikers. Ich könnte stundenlang an diesen Weinen riechen, denke dabei immer wieder an den Besuch des verzaubernden kleinen Kellers in Ampuis, und die geschmacklichen Komponenten Stück für Stück zu ergründen. Die Weine sind extrem langsam, erschließen sich weder auf die erste Nase noch auf den ersten Schluck. Nach tagelangem Dekantieren oder – besser – angemessener Reife (Amethyste ab 7 Jahre, Maestria oder Peroline ab 10-12 Jahre) offenbart sich dann das ganz große Steillagenterroir der nördlichen Rhône: wilder Syrah in Reinkultur mit dem Wow-Faktor. Das ist nicht irgend ein neuer Kult. Das ist Klassik wie Rinaldi oder Burlotto, Mugneret-Gibourg oder Chave. Agnes eifert keinem Wein dieser Welt nach, sie erzeut Unikate, die es lohnen, entdeckt zu werden. Die Anhängerschaft wächst rasant im Gegensatz zur Menge, daher ist Eile in diesem Fall eine Tugend. Hier geht es zu den fabulösen 2017ern…

Weinklassiker #4 - Domaine Levet

Jede Flasche Côte-Rôtie von Agnès Levet erzählt ihre eigene Geschichte. Sie beginnt unnahbar und verworren und löst sich zunehmend in eine poetische Erzählung voller Spannung auf.