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Italienische Weinsignatur – Abraham, Borgo del Tiglio, Castello di Monsanto, Le Piane und Reimitz

Weinsignatur oder Mainstream?

Kaum ein Land bietet so viele unterschiedliche Regionen und autochthone Rebsorten wie Italien. Aus den inzwischen 74 DOCG (Weinanbaugebiete der höchsten Qualitätsstufe) und 334 DOC (Erzeugnisse aus kontrollierter Herkunft) kommen unterschiedlichste Weinsorten vom leichten Prickler bis zum gespriteten Dessertwein. Es gibt so vieles zu entdecken und zu lieben! That´s Amore!

Heute möchten wir Ihnen fünf Charismatiker anbieten, die sich nicht einem einheitlichen Stil der jeweiligen Anbauzone unterwerfen. Vielmehr zaubern sie den Ausdruck ihrer Herkunft förmlich ins Glas. Dank naturnahem Anbau, wenig Invasion im Keller und eine den Lagenausdruck unterstützende Handschrift des Winzers könnte man versucht sein, gar von einer Weinsignatur zu sprechen. Dies gilt im Einzelnen für die Oenographien von Abraham aus dem Süd-Tirol, Castello di Monsanto und Reimitz aus der Toskana, Borgo del Tiglio aus dem Friaul sowie Le Piane aus dem nördlichen Piemont. Echte Italiener eben…

Weinsignatur #1: Abraham, Südtirol

Wenn man Leidenschaft trinken könnte, würde sie dann so schmecken wie die Weine des jungen, „ehrdynamischen“ Winzerpaars Marlies und Martin Abraham? Wer einmal vor Ort in Appiano im Einfluss der zum Weltkulturerbe erklärten Dolomiten Luft geholt hat, weiß was frische Luft wirklich bedeutet. Und man könnte meinen, diese würde sich auch im Wein dank seiner Klarheit, seiner Reinheit und Frische wiederfinden. Einerseits tief in einer über 2000-jährigen Tradition verwurzelt, andererseits das Maximum für fortgeschrittene Genießer herauszukitzeln… das ist die Lebensaufgabe der beiden fröhlichen Winzer. Wenn Sie für neues offen sind und mal wieder eine Nase voll Südtiroler Duft inhalieren mögen, dann schnuppern Sie doch mal hier in die Weine der Abrahams rein.

Abraham

Südtirol in Flaschenform.


Weinsignatur #2: Castello di Monsanto

Die Familie Bianchi erntet eine Auszeichnung nach der anderen für ihren Chianti. Und ich denke, das ist auch richtig so. Die Weine sind ungeschminkt, wunderbar ausgewogen und klassisch, niemals ermüdend und dabei voller Tradition. Der Chianti Classico ist einer der schönsten seiner Art und braucht den Vergleich mit berühmteren Exemplaren nicht zu scheuen. Er zaubert eine Wärme ins Glas, wie es nur ganz wenige Weine vermögen. Viel Terroir für jedermann sozusagen. Wen es reizt, das Potenzial der Toskana voll auszuloten, dem seien natürlich noch mit den verschiedenen Riserva sowie dem aus der Uva Francesca (lokaler Name für die seit sehr langer Zeit bereits in der Toskana kultivierte Cabernet Sauvignon) gekelterten Nemo empfohlen. Hier können Sie sich einen Überblick über diese toskanischen Rebenbotschafter verschaffen.

Castello di Monsanto

In der Toskana sind nicht nur die Weinberge und die Damen schön: Auch die Keller haben ihre magischen Reize und sind voller Geheimnisse und Poesie.


Weinsignatur #3: Klaus Reimitz

Wir verfolgen die wunderschönen Sangiovese von Klaus Reimitz bereit seit vielen Jahren. Wir wissen wohl, dass diese Geschichte nicht erst mit dem herausragenden Erstlingsjahrgang 2011 begonnen hat, sondern sich über viele Jahre des Mitwirkens an einem der berühmtesten Supertoskaner, dem Pergole Torte, über Jahre des Suchens nach einem eigenen perfektionierten Audruck entwickelt hatte. Nur mit dieser enormen Erfahrung jahrelangem Schaffens, Wissen um die verschiedenen toskanischen Weinbergslagen und Rebmaterialien sowie natürlich eines Netzwerkes an Weinexperten vom Küfer bis hin zum Weinbergsbesitzer erlauben eine solche Perfektion in Flaschenform. Reinster Sangiovese, der die Schönheit eines Burgunders mit der Lebenskraft eines Toskaners verbindet. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens kommen dann zwei Ausnahmejahrgänge wie 2015 und 2016 gerade richtig. Diese legendären Weine können Sie hier gerne weiter untersuchen…

Reimitz

Er liebt die Toskana und die Schönheit und das drückt sich auch in seinen Weinen aus, die sphärisch und komplex statt wuchtig und dominant daherkommen.


Weinsignatur #4: Borgo del Tiglio

Die Geschichte von Finkenweine begann mit dem Exklusivvertrieb von Borgo del Tiglio in Deutschland. Seitdem standen viele Flaschen auf den Tischen von Sternerestaurants oder anspruchsvoller Genießer und strafen all jene Lügen, die glauben, dass große Weißweine nur aus Frankreich oder Deutschland kommen. Die Weine sind echte Unikate; das bedeutet aber auch, dass sie für die einen unverzichtbar sind, für andere unverständlich bleiben. Die Weine benötigen mit Ausnahme des Collio Bianco und dem Friulano in heißen Jahren einige Jahre der Reife. Sie sind für den gehobenen Genuss und eine geduldige Kellerwirtschaft gedacht. Größere Weine als Ronco della Chiesa oder Studio di Bianco habe ich aus Italien noch nicht verkostet. Und beim Sauvignon bin ich eher der Loirefan als der showy bay-Fan: flüssige Steine im Glas so wie hier bei Borgo del Tiglio! Hier finden Sie mehr Informationen zu den Weinen von Nicola Manferrari.

Borgo del Tiglio

Romantischer Blick auf die Paradelage von Borgo del Tiglio: Ronco della Chiesa.


Weinsignatur #5: Le Piane

Der überaus sympathische schweizer Ex-Weinhändler Christoph Künzli hat nicht nur seinen Traum vom Spitzenweingut realisiert, er ist auch der Vorreiter der in Vergessenheit geratenen italienischen Spitzenweinregion Boca. Er tut viel für das Image der Region, die Leute im Ort und die Reputation der italienischen Weine. Unverkennbar piemontesisch auf der einen Seite, scheint auch der französische Einfluss der lange in der Region ansäßigen Savoyer in den Weinen von Christoph seinen Ausdruck zu finden. Die Fassprobe des 2012er Boca werde ich nie vergessen. Wie eine Kreuzung aus einem Barolo Monprivato und einem Bonnes Mares hat er mich verzaubert und trägt doch die unverkennbare Weinsignatur eines Nebbiolo aus der nördlichen Langhe. Bei all der Pracht des Boca darf man die anderen Weine nicht übersehen. Neu im Programm ist ein faszinierender Erbaluce und der Mimmo aus jungen Boca-Reben verkürzt die Wartezeit auf die großen Bocas. Der Mimmo ist einer der wenigen mir bekannten Rotweine, bei dem man meint, von einem Hauch Orangenschale verlockt zu werden… Der aus Croatina gekelterte Le Piane ist so etwas wie die Antwort des Piemonts auf die kühleren Weine der nördlichen Rhône und der Maggiorina ist der Lieblingswein kalifornischer Sommeliers. Chapeau, lieber Christoph! Hier sind Deine Weine zu finden…

Christoph Kuenzli

Bescheidener Stolz – was wie ein Widerspruch klingt, verkörpert Christoph Künzli.